| Neue Buchbewertung von Prof.Dr.Michler |
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Bewertung des Buches
In der allgemeinen Praxis wird unter Mikroskopie die optische oder Licht-Mikroskopie (im
Unterschied zu den speziellen Techniken der Elektronenmikroskopie) verstanden, auf die sich
auch das vorliegende Werk bezieht. Für den praktischen Anwender werden alle erforderlichen
Tätigkeiten der Mikroskopie von der Probenauswahl, Präparation und Untersuchungstechnik
bis zur Auswertung der mikroskopischen Aufnahmen sehr ausführlich und detailliert
beschrieben und mit typischen Beispielen illustriert. Die erschöpfende Darstellung aller
wesentlichen Arbeitsschritte ist dem Ziel untergeordnet, die mikroskopischen Techniken
optimal und für die jeweilige Aufgabenstellung mit maximalem Erfolg einzuordnen. Das
Werk verzichtet ganz bewusst auf die Darstellung der optischen und wissenschaftlichen
Grundlagen der Mikroskopie, auf die nur in dem für das Dargestellte in unverzichtbarer Kürze
hingewiesen wird, um von den praktischen Handhabungen nicht abzulenken. Schon in dieser
generellen Gestaltung zeigt sich die jahrelange Erfahrung eines Mikroskopikers , der es sehr
gut versteht, auf die in der Praxis wichtigen Aspekte einzugehen.
Nach einigen einleitenden Worten zur historischen Entwicklung der Mikroskopie werden die
Grundsätze jedes mikroskopischen Arbeitens genannt. Aufbauend auf dem neuesten Stand der
Mikroskopie soll die jeweilige Aufgabenstellung oder das Problem so effektiv wie möglich
gelöst werden. Dementsprechend wird dem Problemkreis der Probennahme, -vorbereitung
und Präparation im Kap. 4 ein breiter Raum gewidmet. Entsprechend ihrer praktischen
Bedeutung wird auf einige Präparationsschritte besonders ausführlich eingegangen, zu denen
die Herstellung von An- und Dünnschliffen sowie An- und Dünnschnitten gehören. Es erfolgt
nicht nur eine lückenlose Beschreibung der vielfältigen einzelnen Schritte bei den
unterschiedlichen praktischen Problemen, sondern es erfolgen auch Hinweise auf Fehler,
Gefahren und besondere Probleme bei der Präparation, d.h. auf die zahlreichen
„Stolpersteine“, die ein optimales Resultat schon von vornherein erschweren. Ausführlich
wird auf die Mikrotomie eingegangen, wobei auch die Ultramikrotomie für die
Transmissions-Elektronenmikroskopie erwähnt wird. Alle Arbeitsschritte sind
nachvollziehbar erklärt und durch ein reiches Bildmaterial erläutert. Sehr informativ sind auch
die übersichtlichen Tabellen zu häufigen Fehlern, deren Ursachen und Behebung.
Das folgende Kap. 5 widmet sich nach einleitenden Bemerkungen zu Aufklärung und
Kontrastarten den verschiedenen Techniken und Typen der Mikroskopie. Hierbei werden die
einzelnen Bausteine der Mikroskopie von der Beleuchtung über Filter, Objektive, Okulare bis
zum Fotoausgang insbesondere auch hinsichtlich ihrer Auswirkung auf das mikroskopisch zu
ermittelnde Bild ausführlich diskutiert. Ergänzend werden weitere mikroskopische Verfahren
wie Mikrohärteprüfung und Heiztischmikroskopie genannt.
Ein sehr breiter Raum ist auch dem dritten Schwerpunkt, der quantitativen Bestimmung
optischer Daten und ihrer Korrelation zu Werkstoffeigenschaften im Kap. 6 gewidmet.
Hierbei geht es insbesondere um die Bestimmung der Brechzahl und der Anisotropie
optischer Eigenschaften mit zahlreichen Beispielen aus dem Bereich der Kunststoffe. Gerade
auf diesem Gebiet lassen sich vielfältige Einflüsse der Herstellung und der Morphologie von
Kunststoffen mit optischen Messungen darstellen. Die optische Ermittlung von
Mikrohärteeindrücken nach verschiedenen Methoden und deren Fehlermöglichkeiten nehmen
einen breiten Raum ein.
Die nachfolgenden Kapitel 7 und 8 widmen sich der Aufzeichnung der mikroskopischen
Bilder mit klassischen (Fotographie) und aktuellen Methoden (Digitalkameras) sowie der
Bildverarbeitung und Bildspeicherung. Der abschließende Anhang diskutiert näher weitere
Möglichkeiten zur optischen Vermessung von Kunststoffen, insbesondere von Sphärolithen.
Daran schließt sich ein Literaturverzeichnis relevanter Arbeiten sortiert nach
Präparationsverfahren, Mikroskopie, quantitativer Bildbestimmung und Dokumentationen an.
Das Buch schließt mit einem Lexikon zu Fachbegriffen der Mikroskopie und zwei
praktischen Untersuchungsbeispielen an Kunststoffen.
Alle Darstellungen in diesem Leitfaden zur Mikroskopie lassen eine jahrelange praktische
Erfahrung der Verfasser erkennen, die sachkundige und detaillierte Anleitungen zum Handeln
vermitteln. Die klaren Formulierungen werden durch Beispiele aus dem Bereich der
Werkstoffwissenschaften mit Schwerpunkt bei den Kunststoffen unterstützt. Auch der mit der
Mikroskopie vertraute Spezialist liest das Buch mit Gewinn.
Das Buch ist klar strukturiert und folgt den praktischen Schritten bei mikroskopischen
Analysen von Werkstoffen. Trotz der Fülle an Informationen geht der Überblick nie verloren.
Hinsichtlich Qualität und Vollständigkeit der Inhalte bleiben keine Wünsche offen. Das Buch
wendet sich an alle in Industrie und in der Forschung, die beruflich mit mikroskopischen
Aufgaben betraut und routinemäßig mit auf der Mikroskopie basierenden Werkstoffanalysen
beschäftigt sind oder nur nach der geeigneten Methode für die Anfertigung mikroskopischer
Aufnahmen suchen. Auch Studenten naturwissenschaftlicher und ingenieurwissenschaftlicher
Richtungen profitieren von den einfachen, klaren Darstellungen. Ein Buch, das vom Praktiker
für den Praktiker geschrieben ist und das in hohem Maße den Anspruch erfüllt, „Leitfaden
für die Praxis“ zu sein. 16. Dezember 2008 Prof. Dr. G.H. Michler
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